Vortrag von Professor Daniel Warner
Daniel Warner: „Chronopolitik: Die Politik der Zeit, des Alters und der Nostalgie.“
Professor Warner hielt vor den Mitgliedern der ARF einen sehr anregenden Vortrag mit einem rätselhaften Titel. Wir sind nämlich an den Begriff der Geopolitik gewöhnt, der den Schwerpunkt auf den Raum, auf das Territorium legt. Die Chronopolitik hingegen hat zum Ziel, die Zeit zu berücksichtigen. Menschliche Gesellschaften erleben Zeit unterschiedlich. China beispielsweise hat eine säkulare Sichtweise auf die Zeit: Früher oder später wird es den Status wiedererlangen, den es im 19. Jahrhundert verloren hat. Gleichzeitig wird die Zeit heute beschleunigt und komprimiert, unter anderem durch die Technologie. Aber auch durch politische Handlungen, die sich nicht mit der langen Zeit oder der Tradition aufhalten: Donald Trump liefert uns jeden Tag zahlreiche Bestätigungen für diese Feststellung. Das Aufregende muss neu sein. Das Alte ist gleichbedeutend mit Veraltetem.
Derselbe Trump ist auch das perfekte Beispiel für ein weiteres zeitgenössisches Phänomen im Zusammenhang mit der Zeit: die Bedeutung der Nostalgie. Bei „maga” ist es für seine Bewunderer viel mehr das „again” als das „great”: die 1950er Jahre, der „amerikanische Traum”.
Angesichts all dieser Veränderungen der Zeit fordert Professor Warner uns auf, der „Weisheit“ grosse Bedeutung beizumessen. Eine Weisheit, die aus gelebten Erfahrungen und generationsübergreifendem Lernen resultiert. Eine Weisheit, die wir weitergeben sollen.